(988-1069 CE)

 

Tilopa wurde in einer brahmanischen Königsfamilie in Ostbengalen geboren. Seine Eltern hatten zu dem Jidam Chakrasamvara um ein Kind gebetet und daraufhin wurde Tilopa geboren.

Dem jungen Tilopa erschien eine Dakini in Form einer hässlichen alten Frau und fragte ihn nach seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner Herkunft und Familie. Auf Tilopas beiläufige Antwort hin sagte sie: „Dein Land ist Uddiyana, dein Vater ist Chakrasamvara, deine Mutter ist Vajrayogini.“

Sie sagte dann zu Tilopa, er solle nach Uddiyana, in das reine Land von Guru Padmasambhava, gehen, um Belehrungen von den Dakinis zu erhalten (Himmelsgöttinnen, die oft den Dharma schützen). Tilopa traf auf zahlreiche Hindernisse und die Dakinis erschienen ihm in vielen Furcht erregenden Formen. Nachdem die Königin der Dakinis jedoch erkannt hatte, dass Tilopa der prophezeite Meister war, der die Überlieferung empfangen sollte, übertrug sie ihm verschiedene Tantras. Danach ging Tilopa zum Gipfelschmuck-Kloster. Dort studierte er als Mönch Prajnabhadra buddhistische Philosophie.

Die zwei Hauptlinien, die Tilopa von erleuchteten Wesen erhielt, waren von Vajrayogini und Vajrapani. Die Linien, die er von menschlichen Linienhaltern bekam, sind wie folgt:
Nagarjuna übertrug ihm das Guhyasamaja Tantra und die Yogas des klaren Lichtes und des Illusionskörpers. Danach wies er Tilopa an, in sein Königreich zurückzukehren und den Thron zu übernehmen. Als dann die Perser König Tilopas Land angriffen, hatte er solche Fähigkeiten, dass er sie ohne Blutvergießen aufhalten konnte. Er blendete die ganze Armee mit strahlendem Licht und verwandelte einen ganzen Wald in eine riesige Armee (vor der die Perser flohen).

Von Rölpe Dordje, dem Schüler von Lawapa empfing Tilopa das Hevajra Tantra, das Traumyoga des klaren Lichtes und das Bardoyoga . Nampar Gyalwa übertrug ihm die Chakrasamvara-Linie von Luipa. Von Shawaripa, dem Schüler von Nagarjuna und Saraha,
erhielt Tilopa die vollständigen Mahamudra-Belehrungen. Von Arya Saryapa bekam Tilopa
die Übertragung von Tumo bzw. des „inneren Herzyoga“. Von Sukhasiddhi, einer Meisterin, erhielt Tilopa die Praxis zur Bewusstseinsübertragung (Phowa). Von Matangi wurde er gelehrt, wie man einen Toten wieder auferweckt. Von Indrabhuti empfing Tilopa die Belehrungen über höchste Weisheit (Prajna).

Danach meditierte er zwölf Jahre lang in einer Höhle mit aneinandergeketteten Füßen und erlangte große Verwirklichung der wahren Natur des Geistes. Nach den zwölf Jahren zerbrachen die Ketten von selbst. Es geschah, als Nagarjuna eine Dakini zu ihm schickte, die ihn lehren sollte. Die Dakini befahl Tilopa, Sesamsamen für eine Prostituierte zu mahlen, um ihn von seinem Stolz als König zu befreien und seine restlichen Blockaden zu brechen. Tilopa erlangte als der Diener der Prostituierten seine endgültige Verwirklichung. Der große Siddha erhob sich in den Himmel und brachte die Prostituierte durch seine Kraft dazu, ebenfalls Erleuchtung zu erlangen. Der örtliche Herrscher und die Gemeinde waren Zeugen des außergewöhnlichen Ereignisses und wurden alle erfüllt von Hingabe. Tilopa lehrte sie, dass man, um zur Buddhaschaft zu gelangen, ebenso fleißig praktizieren muss, wie man Sesamsamen klopfen muss, wenn man Öl erhalten möchte.
Tilopas Ruhm verbreitete sich in ganz Indien.

Der Ort, an dem Tilopa vollkommene Erleuchtung erlangte, ist als Tilokpur bekannt. Er liegt in Nordindien in der Nähe von Dharamsala.

Tilopa verwandelte die Herzen vieler ohne Voreingenommenheit. Er konnte sich auf viele Weisen manifestieren und vollbrachte zahlreiche außergewöhnliche Wunder. Er bekehrte z.B. einen Yogapraktizierenden, dadurch dass r sein Körperinneres nach außen kehrte, aus jeder Pore Mandalas manifestierte und über Sonne und Mond galoppierte, nachdem er sie zuerst auf die Erde heruntergeholt hatte.

Um eine Bardame zu bekehren, trank Tilopa mehr als sieben Keller Bier leer und füllte sie auf wunderbare Weise danach wieder auf. Ebenso manifestierte sich Tilopa oft als Jäger oder Metzger, um andere Jäger und Metzger dazu zu bringen, ihren falschen Lebenserwerb aufzugeben. Einmal bekehrte er einen unbarmherzigen Metzger, indem er das Fleisch im Topf in seinen Sohn verwandelte und ihn dadurch dazu brachte, schließlich den Horror der schlechten Taten, die er begangen hatte, zu verstehen. Ebenso bekehrte er Hexer und Gelehrte mit atheistischen Sichtweisen.

Bei einigen seltenen Gelegenheiten manifestierte sich Tilopa als Chakrasamvara und als die Verkörperung vieler anderer erleuchteter Wesen.

Die Übertragungslinie der Kagyus beginnt mit Tilopa. Er sah die wahre Natur der Wirklichkeit von Angesicht zu Angesicht, so wie sie von Buddha Dordje Chang dargestellt wird.

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